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Ist Reselling legal? — Der komplette Rechtsguide für 2026


17.04.2026

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10 Min.

Ist Reselling legal? Ja, Reselling ist in Deutschland grundsätzlich legal. Sobald Sie jedoch regelmäßig mit Gewinnabsicht Waren verkaufen, besteht nach § 14 GewO Pflicht zur Gewerbeanmeldung — unabhängig davon, ob Sie haupt- oder nebenberuflich tätig sind. In diesem Rechtsguide erkläre ich Ihnen, welche rechtlichen Pflichten Sie als Reseller haben, wie die neuen Kleinunternehmer-Grenzen 2026 funktionieren und welche steuerlichen Fallstricke Sie vermeiden sollten.

Ich bin Ekaterina Kokoreva, CEO und Co-Founderin der Salzmann Restwaren GmbH. In meiner täglichen Arbeit mit über 2.000 Händlern sehe ich immer wieder dieselben rechtlichen Unsicherheiten. Die meisten Probleme entstehen durch vermeidbare Fehler bei der Umsetzung — die Gesetze selbst sind überschaubar.

Gewerbliche Warenlieferung per Lkw beim Reselling -- ab regelmaessigen Verkaeufen mit Gewinnabsicht besteht Pflicht zur Gewerbeanmeldung

Gewerbeanmeldung fürs Reselling — Wann, wo und wie viel?

Die Gewerbeanmeldung fürs Reselling ist Pflicht, sobald Sie regelmäßig mit Gewinnabsicht verkaufen — die Kosten liegen bei 10-65 €.

Der § 14 GewO definiert die Gewerbepflicht klar: Sobald Sie eine selbstständige Tätigkeit mit Gewinnabsicht dauerhaft oder regelmäßig ausüben, müssen Sie ein Gewerbe anmelden. Dabei kommt es nicht auf eine bestimmte Stückzahl oder einen Mindestumsatz an. Die Gerichte achten auf folgende Kriterien: Gewinnabsicht, Regelmäßigkeit, Dauer der Tätigkeit, Anzahl der Verkäufe und ob Sie gleichartige Neuware verkaufen. Wie der Händlerbund in seinem Ratgeber erläutert, gilt die Anmeldepflicht auch dann, wenn Sie ausschließlich über Online-Plattformen verkaufen.

Die Anmeldung erfolgt beim Gewerbeamt Ihrer Wohnsitzgemeinde, meist im Ordnungsamt. Der Prozess ist unkompliziert:

Dokumente für die Gewerbeanmeldung:

✅ Personalausweis oder Reisepass
✅ Ausgefülltes Antragsformular
✅ 10-65 € Gebühr (je nach Gemeinde)

Nach der Anmeldung läuft alles automatisch: Das Gewerbeamt informiert das Finanzamt, die IHK und weitere Behörden. Vom Finanzamt erhalten Sie dann den „Fragebogen zur steuerlichen Erfassung“, den Sie für Ihre Steuernummer benötigen.

Eine versäumte Gewerbeanmeldung ist kein Kavaliersdelikt. Nach § 146 Abs. 2 Nr. 1 GewO handelt es sich um eine Ordnungswidrigkeit mit Bußgeldern bis zu 1.000 €. In der Praxis liegen die Strafen bei 75-200 € plus Nachzahlungen von Steuern mit 6% Zinsen pro Jahr.

Professionell markierte Restposten-Paletten im Lager -- bei diesem Warenumfang ist eine Gewerbeanmeldung nach Paragraph 14 GewO Pflicht

Die Grundlagen des Reselling erklärt mein Kollege Leonid Salzmann ausführlich im Artikel Was ist Reselling?.

Kleinunternehmerregelung 2025 — Die neuen Grenzen im Detail

Die Kleinunternehmerregelung gilt ab 2025 bis 25.000 € Vorjahresumsatz und 100.000 € im laufenden Jahr — bei Überschreitung endet sie sofort.

Ab dem 1. Januar 2025 gelten komplett neue Regeln für die Kleinunternehmerregelung nach § 19 UStG. Die IHK München fasst die wichtigsten Änderungen zusammen: Die Vorjahresgrenze steigt von 22.000 € auf 25.000 €. Die Grenze für das laufende Jahr verdoppelt sich sogar von 50.000 € auf 100.000 €. Der entscheidende Punkt ist: Die 100.000-Euro-Grenze ist eine Sofort-Grenze. Was viele Reseller nicht wissen: Ein einziger Großauftrag kann Sie mitten im Jahr in die Regelbesteuerung katapultieren.

KriteriumBis 2024Ab 2025Was bedeutet das?
Vorjahresgrenze22.000 €25.000 €+3.000 € mehr Spielraum
Laufendes Jahr50.000 €100.000 €Doppelte Grenze
Bei ÜberschreitungIm Folgejahr USt-pflichtigSOFORT USt-pflichtigAchtung: Sofort-Wirkung!
EU-AuslandsumsätzeNicht möglich§ 19a UStG möglichNeue Chance für Reseller
StatusUSt „nicht erhoben“USt-freiKlarere Rechtslage

Eine weitere wichtige Neuerung: Kleinunternehmer-Umsätze sind ab 2025 ausdrücklich umsatzsteuerfrei (bisher wurde die Steuer nur „nicht erhoben“). Außerdem können Sie mit § 19a UStG die Kleinunternehmerregelung jetzt auch für EU-Auslandsumsätze nutzen, wenn Ihr Gesamtumsatz EU-weit unter 100.000 € bleibt.

Ein praktisches Beispiel: Sie hatten 2024 einen Umsatz von 20.000 €. Im Jahr 2025 können Sie die Kleinunternehmerregelung nutzen. Überschreiten Sie am 16. Oktober 2025 die 100.000 €-Marke, müssen Sie ab diesem Tag Umsatzsteuer berechnen und abführen. Beachten Sie: Die Kleinunternehmerregelung betrifft nur die Umsatzsteuer. Einkommensteuer und Gewerbesteuer fallen trotzdem an.

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Reselling und Steuern — Umsatzsteuer, Differenzbesteuerung und EÜR

Beim Reselling fallen Umsatzsteuer, Einkommensteuer und ab 24.500 € Gewinn auch Gewerbesteuer an — die Differenzbesteuerung gilt nur für echte Gebrauchtware.

Umsatzsteuer-Grundlagen

Als Regelbesteuerer berechnen Sie 19% Umsatzsteuer auf den Verkaufspreis (7% bei ermäßigten Waren wie Büchern). Diese führen Sie ans Finanzamt ab, können aber die gezahlte Vorsteuer von Ihren Einkäufen abziehen.

Differenzbesteuerung nach § 25a UStG

Die Differenzbesteuerung ist ein Sonderfall für den Handel mit echter Gebrauchtware. Dabei zahlen Sie Umsatzsteuer nur auf die Marge (Verkaufspreis minus Einkaufspreis), nicht auf den gesamten Verkaufspreis. Voraussetzung: Sie haben die Ware ohne ausgewiesene Umsatzsteuer eingekauft, etwa von Privatpersonen oder Kleinunternehmern. Der Steuersatz beträgt immer 19%, auch bei normalerweise ermäßigt besteuerten Waren. Wichtig: Sie dürfen die Umsatzsteuer nicht separat auf der Rechnung ausweisen, nur einen Hinweis auf § 25a UStG.

Rechenbeispiel Differenzbesteuerung:

  • Einkauf: 100 €
  • Verkauf: 250 €
  • Marge: 150 €
  • USt auf Marge: 150 € / 1,19 × 0,19 = 23,95 €
  • Statt 39,92 € auf den vollen Verkaufspreis!
Grosser Warenbestand auf Paletten im Lager eines Reselling-Unternehmens -- ab bestimmten Umsaetzen fallen Umsatzsteuer und Gewerbesteuer an

Achtung: B-Ware gilt rechtlich als Neuware und fällt nicht unter die Differenzbesteuerung! Kleinunternehmer können die Differenzbesteuerung grundsätzlich nicht nutzen, da sie keine Umsatzsteuer berechnen.

Weitere Steuern

Ihre Gewinne aus dem Reselling sind Einkünfte aus Gewerbebetrieb nach § 15 EStG und unterliegen der Einkommensteuer. Die Gewerbesteuer greift erst ab einem Gewinn von 24.500 € pro Jahr.

Buchführung

Bis zu einem Umsatz von 800.000 € und einem Gewinn von 80.000 € pro Jahr reicht eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR). Darüber hinaus besteht Bilanzierungspflicht.

Gewährleistung beim Reselling — B2C vs. B2B im Vergleich

Die Gewährleistung beim Reselling beträgt 2 Jahre für B2C-Verkäufe und kann bei B2B ausgeschlossen werden — außer bei arglistig verschwiegenen Mängeln.

Nach § 437 BGB haben Käufer bei Mängeln Anspruch auf Nacherfüllung, Rücktritt, Minderung und Schadensersatz. Die konkreten Regelungen unterscheiden sich jedoch erheblich zwischen Verkäufen an Verbraucher (B2C) und an Unternehmer (B2B).

AspektB2C (Verbraucher)B2B (Unternehmer)
Ausschluss möglich?❌ Nein✅ Ja (außer Arglist)
Frist Neuware/B-Ware2 JahreVerhandelbar
Frist Gebrauchtware1 Jahr (kürzbar)Verhandelbar
Beweislastumkehr12 MonateKeine
RügepflichtKeine§ 377 HGB

B2C-Verkäufe

Gegenüber Verbrauchern können Sie die Gewährleistung nicht ausschließen. Das gilt auch für B-Ware! Die Gewährleistungsfrist beträgt 2 Jahre für Neuware und B-Ware. Nur bei echter Gebrauchtware darf sie auf 1 Jahr verkürzt werden. Seit 2022 gilt die Beweislastumkehr für 12 Monate: Tritt in diesem Zeitraum ein Mangel auf, wird vermutet, dass er schon bei Übergabe vorlag.

B2B-Verkäufe

Im Geschäftsverkehr können Sie die Gewährleistung grundsätzlich ausschließen — außer bei arglistig verschwiegenen Mängeln. B2B-Käufer unterliegen der Rügepflicht nach § 377 HGB: Sie müssen die Ware unverzüglich prüfen und Mängel sofort anzeigen, sonst gilt die Ware als genehmigt.

Markenkleidung in Originalverpackung mit Haengeschildern -- B-Ware gilt rechtlich als Neuware mit voller Gewaehrleistungspflicht von zwei Jahren

In meiner Arbeit mit Händlern sehe ich immer wieder denselben Fehler: B-Ware wird wie Gebrauchtware behandelt. Das kann teuer werden, denn laut § 475 BGB gilt für B-Ware die volle zweijährige Gewährleistungsfrist. Mehr zur richtigen Einschätzung erfahren Sie in unserem Ratgeber zum Thema B-Ware.

Plattform-Regeln für Reseller — eBay, Amazon, Vinted und das PStTG

Plattformen melden Reseller ab 30 Verkäufen oder 2.000 € Umsatz ans Finanzamt — die Gewerbepflicht hängt von Regelmäßigkeit und Gewinnabsicht ab. Worauf Sie speziell bei Amazon Reselling achten müssen, zeigen wir im Detail.

Seit dem Plattformen-Steuertransparenzgesetz (PStTG) zur Umsetzung der DAC7-Richtlinie müssen eBay, Vinted, Kleinanzeigen und andere Plattformen Verkäufer an die Finanzbehörden melden. Die Meldepflicht greift ab 30 Transaktionen oder 2.000 € Umsatz pro Jahr.

eBay

Es gibt keine feste Grenze zwischen privat und gewerblich. Gerichte bewerten als Indizien: 25+ Verkäufe in 2 Monaten, gleichartige Neuware, viele Bewertungen. Als gewerblicher Verkäufer benötigen Sie ein Impressum, eine Widerrufsbelehrung und müssen die gesetzliche Gewährleistung beachten.

Amazon

Der Verkauf auf Amazon gilt grundsätzlich als gewerbliche Tätigkeit. Das Basiskonto reicht für weniger als 40 Artikel pro Monat. Ab 40 Artikeln benötigen Sie ein professionelles Verkäuferkonto. Details zum gewerblichen Verkauf erkläre ich im Amazon Reselling Guide.

Vinted

Private Verkäufe eigener gebrauchter Sachen (über 1 Jahr im Besitz) sind steuerfrei. Regelmäßiger Handel mit Gewinnabsicht gilt als gewerblich.

Kleinanzeigen

Auch hier greift die PStTG-Meldepflicht ab 30 Verkäufen oder 2.000 € Jahresumsatz.

OSS-Verfahren

Bei Fernverkäufen in andere EU-Länder ab 10.000 € netto müssen Sie Umsatzsteuer im Bestimmungsland abführen. Das OSS-Verfahren (One-Stop-Shop) vereinfacht dies: Sie melden nur beim Bundeszentralamt für Steuern statt in jedem EU-Land einzeln.

Lkw-Beladung mit Restposten-Paletten per Gabelstapler -- Plattformen melden Verkaeufe ab 30 Transaktionen automatisch ans Finanzamt

Was viele Händler unterschätzen: Die Plattformen melden automatisch ans Finanzamt. Diskrepanzen zur Steuererklärung fallen sofort auf.

Die 5 häufigsten Rechtsfehler beim Reselling — und ihre Folgen

Die häufigsten Rechtsfehler beim Reselling: fehlende Gewerbeanmeldung, falsche Gewährleistung bei B-Ware und ignorierte Plattform-Meldungen.

  1. „Ich verkaufe privat“ trotz 100+ Neuartikeln
    Folge: Abmahnung, Bußgeld, Steuernachzahlung
    Gerade Einsteiger glauben, dass geringe Umsätze sie schützen. Das Finanzamt prüft aber Regelmäßigkeit und Warenart, nicht den Umsatz. Wer 50 identische Handyhüllen anbietet, verkauft gewerblich.
  2. Keine Gewerbeanmeldung trotz regelmäßiger Verkäufe
    Folge: Bußgeld bis 1.000 €, Nachzahlung + Zinsen
    Viele schieben die Anmeldung auf, weil sie den Aufwand überschätzen. In Wahrheit dauert der Vorgang beim Gewerbeamt 15-20 Minuten. Je länger Sie warten, desto höher fallen die Steuernachforderungen aus.
  3. B-Ware-Gewährleistung auf < 2 Jahre verkürzt
    Folge: Abmahnung nach § 475 BGB, Schadensersatz
    B-Ware ist rechtlich Neuware — sie wurde lediglich umverpackt, transportbeschädigt oder vom Kunden retourniert, aber nie bestimmungsgemäß genutzt. Das unterscheidet sie von Gebrauchtware im Sinne des § 475 BGB. Eine Verkürzung der Gewährleistungsfrist bei B-Ware im B2C-Bereich ist daher unzulässig.
  4. Keine ordentlichen Rechnungen/Belege
    Folge: Probleme bei Betriebsprüfung, 10 Jahre Aufbewahrungspflicht
    Fehlende Belege fallen oft erst bei einer Betriebsprüfung auf. Dann schätzt das Finanzamt Ihre Einnahmen — erfahrungsgemäß immer zu Ihren Ungunsten.
  5. PStTG-Meldung ignoriert
    Folge: Diskrepanz zur Steuererklärung → Prüfung
    Die Plattformen übermitteln Ihre Verkaufsdaten automatisch an das Bundeszentralamt für Steuern. Dort werden die Daten mit Ihrer Steuererklärung abgeglichen. Wenn Sie Verkäufe nicht deklariert haben, erhalten Sie Post vom Finanzamt.

Aus Erfahrungsberichten auf Reddit weiß ich: eBay meldet ab 30 Verkäufen automatisch. Viele Einsteiger übersehen das und wundern sich über Post vom Finanzamt.

Fazit

Reselling ist in Deutschland legal, aber mit klaren rechtlichen Pflichten verbunden. Ab dem ersten regelmäßigen Verkauf mit Gewinnabsicht müssen Sie ein Gewerbe anmelden. Die neuen Kleinunternehmer-Grenzen 2026 bieten mehr Spielraum, aber Vorsicht: Bei Überschreitung der 100.000 €-Grenze endet die Regelung sofort.

In meiner täglichen Arbeit sehe ich: Wer die rechtlichen Grundlagen von Anfang an richtig umsetzt, spart sich später teure Korrekturen. Der Aufwand für eine ordentliche Gewerbeanmeldung und korrekte Buchführung lohnt sich. Bei uns erhalten Sie übrigens ordnungsgemäße Rechnungen mit ausgewiesener MwSt — das macht Ihre Buchhaltung einfacher und ermöglicht den Vorsteuerabzug.

Ist Reselling ohne Gewerbeanmeldung legal?

Nein. Sobald Sie regelmäßig mit Gewinnabsicht verkaufen, besteht Gewerbepflicht nach § 14 GewO. Das gilt unabhängig vom Umsatz.

Ab wann gilt man beim Reselling als gewerblich?

Welche Steuern fallen beim Reselling an?

Kann ich die Differenzbesteuerung für B-Ware nutzen?

Was passiert, wenn ich kein Gewerbe anmelde?

Melden Plattformen wirklich ans Finanzamt?

Gilt die Kleinunternehmerregelung 2026 auch für Reselling?

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