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B-Ware kaufen: Worauf Händler beim Einkauf achten sollten


19.07.2026

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9 Min.

B-Ware kaufen gehört zu den profitabelsten Entscheidungen im Großhandel. Die Produkte sind
einwandfrei, kosten einen Bruchteil des Neupreises und stammen meist aus Retouren, Ausstellungen oder Sortimentswechseln. Allein 2025 fielen in Deutschland rund 530 Millionen Retourenpakete an — ein erheblicher Teil davon gelangt als B-Ware zurück in den Handel.

Jungheinrich-Gabelstapler transportiert eine folierte Palette mit Schuhkartons von Nike, Ecco und weiteren Marken im Großhandelslager

Ich bin Leonid Salzmann, Co-Founder der Salzmann Restwaren GmbH mit über 13 Jahren Erfahrung im Restpostenhandel. In diesem Ratgeber erkläre ich, welche Kategorien sich lohnen und worauf Sie beim Einkauf achten sollten. Außerdem gehe ich auf die rechtliche Seite ein — denn bei der Gewährleistung machen viele Händler vermeidbare Fehler.

Was genau unter B-Ware fällt — und was nicht


B-Ware sind Produkte, die technisch einwandfrei und neuwertig sind, aber nicht mehr als A-Ware verkauft werden. Eine gesetzliche Definition existiert nicht — die Einstufung folgt der gängigen Handelspraxis. Der Grund für die Herabstufung kann ein Kratzer auf dem Gehäuse sein, eine geöffnete Verpackung oder ein Sortimentswechsel beim Hersteller.

Was B-Ware nicht ist: defekte oder stark beschädigte Ware. Das wäre C-Ware oder D-Ware.

Typische Quellen von B-Ware:

  • Kundenretouren, die geprüft und als einwandfrei eingestuft wurden
  • Ausstellungsstücke aus dem stationären Handel
  • Artikel mit beschädigter Originalverpackung
  • Restbestände aus Sortimentswechseln

Wer die Abgrenzung zwischen den Warenklassen genauer verstehen möchte: In meinem Artikel Was ist B-Ware gehe ich auf Definition und Merkmale im Detail ein.

Folierte Palette mit B-Ware-Schild neben gestapelten Vonyx-Lautsprecherkartons im Großhandelslager

Welche Produktkategorien sich beim Einkauf von B-Ware lohnen

Nicht jede Produktkategorie eignet sich gleichermaßen für den Einkauf von B-Ware. Die Unterschiede bei Marge, Risiko und Wiederverkaufbarkeit sind erheblich. Wie viel B-Ware überhaupt auf den Markt kommt, hängt direkt mit der Retourenquote zusammen — und die variiert stark nach Branche.

KategorieRetourenquote (EHI 2025)Typische B-WareRisiko
Textil / Schuhebis 50 % (jeder 8. Händler darüber)Anprobierte, zurückgesendete KleidungNiedrig
Elektronikbis 10 % (85,7 % der Händler)Geräte mit Verpackungsschaden, VorführgeräteMittel-Hoch
Haushalt / Küchebis 10 %Küchengeräte mit OVP-SchadenNiedrig
SpielzeugniedrigFast immer nur VerpackungsschädenNiedrig
Möbelbis 10 % (~93 % der Händler)Transportschäden, AusstellungsstückeNiedrig

Quelle: EHI Retail Institute, 2025

Elektronik liefert die höchsten Margen — aber auch das höchste Risiko. Ein Laptop mit einem Kratzer auf dem Deckel ist für Endkunden kein Problem. Versteckte Defekte an der Hardware kommen bei Elektronik allerdings häufiger vor als in anderen Kategorien. Stichproben vor dem Kauf sind hier besonders wichtig.

Haushaltswaren und Küchengeräte bieten stabile Nachfrage bei niedrigem Risiko. B-Ware bedeutet in dieser Kategorie fast immer eine beschädigte Verpackung — das Gerät selbst ist unberührt.

Textilien und Schuhe kommen in großen Mengen auf den Markt, weil die Retourenquote im Modehandel so hoch liegt. Die Margen pro Stück sind geringer als bei Elektronik, dafür ist das Risiko minimal.

Spielzeug ist ein Saisongeschäft mit Schwerpunkt im vierten Quartal. B-Ware bei Spielzeug besteht fast immer aus Verpackungsschäden — das Produkt selbst ist unbenutzt. Wer rechtzeitig vor Weihnachten einkauft, erzielt gute Abverkaufsraten.

Dicht gestapelte B-Ware-Kartons mit Veranstaltungstechnik von Omnitronic, Eurolite und Vonyx im Großhandelslager

Einen Überblick über die profitabelsten Kategorien im Restpostenhandel gebe ich in meinem Artikel Top 5 Restposten-Kategorien für erfolgreiches Reselling.

Worauf Sie beim Einkauf von B-Ware achten sollten

Aus einem einfachen Grund scheitern viele Händler beim Einkauf von B-Ware: Sie prüfen die Ware nicht selbst. Im sellerforum.de berichten Händler regelmäßig, dass Lieferanten C-Ware als B-Ware deklarieren — mit entsprechenden Folgen für die Marge.

Ein Rat: Kaufen Sie niemals B-Ware, ohne vorher eine Stichprobe gesehen zu haben.

Mitarbeiterin prüft eine folierte Palette mit Schuhkartons von Vans, Kaporal und Viking bei der Warenannahme am LKW
Unsere Mitarbeiterin fotografiert eine Schuhpalette vor dem Versand — der Kunde hat Fotos vorab angefragt.

Zustandsbeschreibung lesen — und hinterfragen. “Leichte Gebrauchsspuren” kann alles bedeuten. Verlangen Sie Fotos der konkreten Charge. Seriöse Lieferanten dokumentieren den Zustand pro Palette oder sogar pro Artikel.

Erste Bestellung klein halten. Testen Sie einen neuen Lieferanten mit einer überschaubaren Menge. So bewerten Sie die tatsächliche Qualität, ohne ein großes finanzielles Risiko einzugehen.

Retourenquote erfragen. Fragen Sie den Lieferanten nach seiner Reklamationsquote bei B-Ware. Liegt diese über 10 %, stimmt etwas mit der Qualitätsprüfung nicht.

Gewährleistung vorab klären. Klären Sie vor dem Einkauf, welche Mängel der Lieferant dokumentiert hat und wie die Haftung im Kaufvertrag geregelt ist. Im B2B-Geschäft lassen sich Gewährleistungsfristen vertraglich anpassen — beim Weiterverkauf an Endkunden sind Sie jedoch an die gesetzliche Frist von zwei Jahren gebunden.

Marge realistisch kalkulieren. Viele Händler rechnen zu optimistisch. Ein Beispiel mit aktuellen Zahlen:

PositionBetrag
Einkaufspreis (B-Ware Marken-Küchenmaschine)25,00 €
eBay-Provision (12 %, ab Feb. 2026)17,76 €
eBay-Fixgebühr (ab Feb. 2026)0,45 €
Versand (DHL Paket)6,99 €
Retourenkosten (5 %, amortisiert)2,00 €
Verkaufspreis148,00 €
Netto-Marge95,80 € (64,7 %)

eBay-Gebühren ab Feb. 2026: eBay Verkäuferportal

Die Marge von knapp 65 % sieht gut aus. Doch sie steht und fällt mit der Zustandsbeschreibung. Stimmt die Qualität nicht, steigt die Retourenquote — und die Rechnung geht nicht mehr auf.

Welche Fehler beim Restposten-Einkauf sonst noch passieren, habe ich hier zusammengestellt.

Wo Sie B-Ware im Großhandel finden


Am zuverlässigsten kommen Sie über spezialisierte Großhändler an B-Ware — Unternehmen, die ihre Ware selbst prüfen und sortieren, bevor sie weiterverkauft wird. Genau dieses Prinzip verfolgen wir im Restposten Großhandel.

Spezialisierte Restposten-Großhändler. Diese Unternehmen kaufen direkt bei Herstellern und Retourendienstleistern ein, sortieren die Ware nach Zustand und verkaufen sie palettenweise an Wiederverkäufer. Der Vorteil: Sie bekommen geprüfte Ware mit einer klaren Zustandsbeschreibung.

B2B-Marktplätze. Verschiedene Plattformen bringen Anbieter und Käufer zusammen. Das Angebot ist groß, aber die Qualität schwankt, weil Sie nicht immer wissen, wie gründlich die Ware geprüft wurde.

Roter Manitou-Gabelstapler belädt einen Schwarzmüller-LKW mit folierten B-Ware-Paletten auf dem Betriebshof

Insolvenzverwalter. Bei Betriebsauflösungen kommen oft große Mengen B-Ware auf den Markt. Die Preise sind niedrig, doch das Sortiment lässt sich nicht frei wählen — Sie kaufen, was verfügbar ist.

Direkt beim Hersteller. Manche Hersteller verkaufen ihre B-Ware ohne Zwischenhändler. Hier sind die Preise am besten, die Mindestmengen liegen allerdings oft bei mehreren Paletten.

Wie Sie den richtigen Lieferanten erkennen, erkläre ich in meinem Ratgeber.

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Ist der Lieferant gefunden und die erste Bestellung unterwegs, stellt sich die nächste Frage: Wie sieht es rechtlich aus? Informieren Sie sich vorab über Gewerbeanmeldung, Steuerpflichten und Produkthaftung.

Gewährleistung und Garantie bei B-Ware


B-Ware wird rechtlich als Neuware behandelt — und genau das bestimmt die Gewährleistungsregeln.

Gesetzliche Gewährleistung gegenüber Endkunden: zwei Jahre. Wenn Sie B-Ware an Verbraucher weiterverkaufen, wird sie rechtlich als Neuware behandelt — sofern sie nicht bestimmungsgemäß gebraucht wurde. Damit gilt die volle Gewährleistungsfrist von zwei Jahren nach § 438 Abs. 1 Nr. 3 BGB. Eine Verkürzung auf ein Jahr, wie sie bei Gebrauchtware zulässig wäre, ist bei B-Ware gegenüber Verbrauchern nicht erlaubt. Das hat das ERGO Rechtsportal in seinem Ratgeber ausführlich dargelegt. Im B2B-Geschäft zwischen Händlern lassen sich Gewährleistungsfristen dagegen vertraglich regeln.

Bekannte Mängel müssen beschrieben werden. Wenn Sie in Ihrem Angebot auf einen Kratzer am Gehäuse hinweisen, können Kunden diesen konkreten Kratzer nicht reklamieren. Alle anderen Mängel, die nicht aufgeführt sind, fallen unter die Gewährleistung.

Lagerregal mit B-Ware-Schild — Drucker von HP, Epson und Canon neben Rowenta-Heizlüftern und Staubsaugern

Ausstellungsstücke: eine Grauzone. Wurde ein Gerät im Ladengeschäft regelmäßig von Kunden bedient, kann es als gebraucht gelten. In diesem Fall dürften Sie die Gewährleistung gegenüber Verbrauchern auf ein Jahr verkürzen. Die Abgrenzung ist aber nicht immer eindeutig — im Zweifel gilt die Ware als neu.

Garantie ist etwas anderes. Herstellergarantien sind freiwillige Leistungen. Bei B-Ware schränken einige Hersteller die Garantie ein oder schließen sie aus. Prüfen Sie das vor dem Einkauf — es beeinflusst den Wiederverkaufswert.

Vorsicht bei der Differenzbesteuerung. Die Differenzbesteuerung nach § 25a UStG gilt ausschließlich für Gebrauchtware. Da B-Ware in der Regel als Neuware eingestuft wird, ist die Differenzbesteuerung hier nicht anwendbar. Wer sie trotzdem nutzt, riskiert steuerliche Nachforderungen.

Ausführliche Informationen zu Gewährleistung bei Neu- und Gebrauchtware finden Sie im Ratgeber des Händlerbunds.

Wer die rechtlichen Grundlagen kennt, kann beim Einkauf von B-Ware deutlich sicherer kalkulieren.

Fazit

In über 13 Jahren habe ich viele Händler gesehen, die mit B-Ware erfolgreich gewachsen sind. Die Einkaufspreise liegen deutlich unter Neuware, die Produkte sind funktionsfähig. Auf Marktplätzen wie eBay oder Kleinanzeigen.de ist die Nachfrage stabil. Entscheidend bleibt der Lieferant: Wer seine Ware selbst prüft und den Zustand dokumentiert, spart Ihnen Reklamationen und Retouren. Fangen Sie mit einer kleinen Testbestellung an und prüfen Sie die Stichprobe. Von dort lässt sich das Geschäft skalieren. Gleichzeitig verlängert der Handel mit B-Ware den Lebenszyklus von Produkten — ein Aspekt, der gerade im Großhandel zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Häufige Fragen zu B-Ware

Was ist der Unterschied zwischen A-Ware und B-Ware?

A-Ware ist originalverpackte Neuware ohne Mängel. B-Ware ist ebenfalls funktionsfähig, weist aber kleine optische Beeinträchtigungen auf — etwa eine geöffnete Verpackung, leichte Kratzer oder Gebrauchsspuren aus dem Ausstellungsbereich. Einen ausführlichen Vergleich finden Sie in meinem Artikel A-Ware vs. B-Ware.

Gibt es Gewährleistung auf B-Ware?

Lohnt sich B-Ware für Wiederverkäufer?

Wo kann man B-Ware im Großhandel kaufen?

Welche Produktkategorien eignen sich am besten?

Darf man bei B-Ware die Gewährleistung verkürzen?

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