Amazon Reselling bedeutet, Produkte günstig einzukaufen und über den Amazon Marketplace mit Gewinn weiterzuverkaufen. Als umsatzstärkster Online-Marktplatz in Deutschland ist Amazon der wichtigste Vertriebskanal für Reseller. Allerdings entscheiden Gebühren, Kalkulation und Rechtskonformität darüber, ob sich das Geschäft tatsächlich lohnt. Was genau Was ist Reselling bedeutet und welche Modelle es gibt, erklären wir im Leitfaden.
Ich bin Ekaterina Kokoreva, CEO und Co-Founderin der Salzmann Restwaren GmbH. In meiner Arbeit mit über 2.000 Händlern sehe ich immer wieder, wie Einsteiger die Amazon-Gebühren unterschätzen und erst nach den ersten Verkäufen feststellen, dass die Rechnung nicht aufgeht. Was viele nicht wissen: Die größten Verluste entstehen nicht durch schlechte Ware, sondern durch fehlende Kalkulation.

Inhaltsverzeichnis:
Amazon-Verkaufsmodelle im Überblick
Amazon bietet Resellern zwei Verkaufspläne und zwei Versandmodelle. Die richtige Kombination hängt von Sortiment und Verkaufsvolumen ab.
Individual Plan vs. Professional Plan
Der Professional Plan kostet 39 EUR zzgl. MwSt. pro Monat und bietet Zugang zu Werbeanzeigen (PPC), erweiterten Reports und allen Seller-Tools. Der Individual Plan hat keine Grundgebühr, berechnet aber 0,99 EUR pro verkauftem Artikel. Erweiterte Reports und Werbung fehlen beim Individual Plan. Beide Pläne unterstützen FBA (Amazon Seller Central).
Ab etwa 40 Verkäufen pro Monat rechnet sich der Professional Plan allein durch den Wegfall der Stückgebühr.
| Merkmal | Individual | Professional |
|---|---|---|
| Grundgebühr | keine | 39 EUR + MwSt./Monat |
| Verkaufsgebühr | 0,99 EUR/Artikel + %-Gebühr | nur %-Gebühr |
| FBA nutzbar | Ja | Ja |
| Werbung (PPC) | Nein | Ja |
| Erweiterte Reports | Nein | Ja |
FBA vs. FBM — welches Modell passt?
- FBA (Fulfillment by Amazon): Amazon lagert, verpackt und versendet die Ware. Automatischer Prime-Status und höhere Buy Box-Chance.
- FBM (Fulfillment by Merchant): Eigenversand, niedrigere Gebühren, volle Kontrolle über Verpackung und Branding.
- Faustregel: FBA eignet sich bei Artikeln unter 1 kg und einem Verkaufspreis über 15 EUR. FBM ist günstiger bei sperrigen oder schweren Artikeln und bei einem Verkaufspreis unter 10 EUR.
Trend 2026: Immer mehr Seller nutzen Multi-Channel-Fulfillment (MCF) und lassen Amazon-Lager für Verkäufe auf anderen Plattformen arbeiten.
Amazon Renewed — generalüberholte Ware verkaufen
Amazon Renewed ist ein Programm für generalüberholte Produkte mit drei Qualitätsstufen: „Ausgezeichnet“ (keine sichtbaren Kratzer), „Gut“ (kaum sichtbare Gebrauchsspuren) und „Akzeptabel“ (keine sichtbaren Mängel aus 30 cm Entfernung). Die Akkukapazität muss bei allen Stufen mindestens 80 % betragen, bei Renewed Premium sogar 90 %. Wegen der strengen Qualitätsprüfung ist das Programm eher für erfahrene Reseller geeignet.
Doch Amazon bietet Resellern weit mehr als Modelle und Pläne. Die Frage, woher die Ware stammt, beschäftigt Einsteiger besonders häufig.
Amazon Retouren kaufen — Plattformen und Risiken
Amazon verkauft Retouren nicht direkt an Endkunden. Retourenpaletten sind ausschließlich über spezialisierte B2B-Liquidationsplattformen erhältlich, darunter Stocklear, Amazon Liquidation Auctions und eBay B2B. Die Mindestabnahme liegt in der Regel bei einer Palette.

Auf der einen Seite locken niedrige Stückpreise. Allerdings ist der Warenzustand bei Mischpaletten kaum vorhersehbar. Typische Risiken:
- A-, B- und C-Ware ist gemischt, ohne klare Sortierung
- Originalverpackungen fehlen teilweise oder sind beschädigt
- Defekte Artikel sind möglich und lassen sich vorab nicht prüfen
Die Verbraucherzentrale warnt ausdrücklich vor „Amazon-Paletten“-Angeboten in sozialen Medien. Seriöse Anbieter verlangen immer eine USt-ID und einen Gewerbenachweis. Wer ohne diese Unterlagen bestellen kann, sollte skeptisch sein. Einen ausführlichen Überblick zu seriösen Quellen bietet der Retourenpaletten-Guide von Helium 10.
Die Retourenquote im deutschen E-Commerce liegt durchschnittlich bei 6 bis 10 %. Bei Fashion steigt sie auf bis zu 50 %, während Elektronik meist unter 10 % bleibt. Gerade diese Streuung macht Mischpaletten unberechenbar. In unserem Sortiment finden Sie Retourware im Großhandel mit ordnungsgemäßen Rechnungen und definiertem Warenzustand.
Wer trotzdem Retourenpaletten in Betracht zieht, muss vorher genau kalkulieren. Die folgende Gebührenaufstellung zeigt, welche Kosten Amazon 2026 tatsächlich berechnet.
FBA-Kalkulation — so rechnen Sie richtig
Die FBA-Lagergebühren 2026 liegen bei 27,54 EUR pro Kubikmeter von Januar bis September. Wer profitabel verkaufen will, muss alle Kostenpositionen im Voraus kalkulieren.

Gebühren 2026 im Detail
- Lagergebühren Standard (Jan–Sep): 27,54 EUR/m³
- Lagergebühren Standard (Okt–Dez): 47,45 EUR/m³
- Lagergebühren Fashion (Jan–Sep): 18,17 EUR/m³
- Langzeitlager ab 365 Tagen: 170 EUR/m³ monatlich (bei Medienartikeln alternativ 0,10 EUR/Stück)
- Gebührensenkung 2026: durchschnittlich 0,17 EUR weniger pro Einheit bei Verkaufsgebühren, zusätzlich 0,32 EUR Paketgebührensenkung in DE/FR/IT/ES
- Niedrigpreis-Tarif (ab 5.1.2026): Produkte bis 20 EUR erhalten ca. 0,45 EUR Entlastung pro Einheit (kategorieabhängig)
- Peak Season Fee Q4 2025/26: 0,26 EUR/Einheit (15.10.2025 bis 14.01.2026)
Die Gebührensenkungen 2026 klingen vielversprechend. Die Peak-Season-Zuschläge im Q4 steigen jedoch weiterhin. Eine aktuelle Übersicht aller Gebühren veröffentlicht Amazon Seller Central.
Margenrechnung — Beispiel
Angenommen, ein Reseller kauft einen Artikel für 10 EUR ein und verkauft ihn auf Amazon für 25 EUR. Die Kalkulation:
| Position | Betrag |
|---|---|
| Einkaufspreis (EK) | 10,00 EUR |
| Verkaufspreis (VK) | 25,00 EUR |
| Verkaufsgebühr (15 %) | −3,75 EUR |
| FBA-Versandgebühr | −3,50 EUR |
| Nettogewinn (vor PPC) | 7,75 EUR (31 %) |
31 % Marge vor Werbekosten. Bei PPC-Ausgaben von 10 bis 15 % des Umsatzes bleiben 15 bis 20 % Nettomarge. Der entscheidende Punkt ist: Ohne eine Mindestmarge von 30 % vor PPC wird es eng. Wer die eigene Kalkulation prüfen möchte, findet auf fba-gebuehren.de einen kostenlosen Online-Rechner.
Break-even-Formel: VK × (1 − Amazon-Gebühr %) − FBA-Gebühr − EK = 0.
Kalkulieren allein reicht allerdings nicht. Amazon stellt an Reseller auch rechtliche Anforderungen, die viele Einsteiger übersehen.
Rechtliche Pflichten für Amazon Reseller
Wer auf Amazon verkauft, braucht mindestens eine Gewerbeanmeldung. Je nach Produktkategorie kommen weitere Pflichten hinzu:
- Gewerbeanmeldung: Pflicht bei regelmäßigem Verkauf mit Gewinnabsicht. Kosten: 10 bis 60 EUR je nach Kommune.
- CE-Kennzeichnung: Wer als Inverkehrbringer Produkte aus Nicht-EU-Ländern importiert, haftet wie der Hersteller. Das betrifft Elektronik, Spielzeug und Medizinprodukte.
- WEEE/ElektroG4: Seit dem 1. Januar 2026 prüfen Online-Marktplätze die WEEE-Nummer der Verkäufer. Fehlt die Registrierung bei der Stiftung EAR, droht eine Kontosperrung.
- GPSR (EU-Produktsicherheitsverordnung): Amazon verschärft die Anforderungen im Rahmen der GPSR. Produkte ohne konforme Dokumentation werden automatisch deaktiviert. Besonders betroffen sind Elektronik, Spielzeug und Kosmetik. Die vollständige Produktsicherheitsdokumentation muss vor dem Erstellen des Listings vorliegen, da Amazon nachträglich eingereichte Unterlagen nicht berücksichtigt.
Ausführliche Details zu Steuern, Kleinunternehmerregelung und Differenzbesteuerung finden Sie in unserem Guide zu den rechtlichen Grundlagen des Resellings.
Sind die rechtlichen Voraussetzungen geklärt, stellt sich die nächste Frage: Woher stammt die Ware?
Wholesale, Arbitrage oder Restposten — Sourcing-Strategien
Die drei gängigen Sourcing-Strategien für Amazon Reselling sind Wholesale, Arbitrage und Restposten. Jede bringt ein eigenes Risiko-Rendite-Profil mit.
Wholesale bedeutet Direkteinkauf beim Hersteller oder Großhändler in größeren Mengen. Die Margen sind stabil, der Einstieg erfordert jedoch 5.000 bis 20.000 EUR Startkapital. Arbitrage setzt auf Schnäppchen im Einzelhandel oder online, die mit Gewinn weiterverkauft werden. Der Einstieg ist günstig, dafür ist der Zeitaufwand hoch und die Skalierbarkeit begrenzt.
Wholesale bietet Stabilität, bindet aber Kapital. Arbitrage ist flexibel, skaliert aber schlecht.
Private Label ist kein Reselling. Hier wird eine eigene Marke entwickelt und beim Hersteller produzieren lassen. Startkapital: über 10.000 EUR bei 3 bis 6 Monaten Vorlauf. Die Abgrenzung ist wichtig, weil Private Label andere Risiken und Zeitrahmen mit sich bringt.
| Strategie | Startkapital | Skalierbarkeit | Zeitaufwand |
|---|---|---|---|
| Wholesale | 5–20k EUR | Hoch | Mittel |
| Retail Arbitrage | 200–1.000 EUR | Niedrig | Hoch |
| Online Arbitrage | 500–2.000 EUR | Mittel | Mittel |
| Restposten/B-Ware | 1–5k EUR (palettenweise) | Hoch | Niedrig |
Welche Restposten-Kategorien sich für Reselling besonders eignen, hängt von Marge und Nachfrage ab. Eine Mischstrategie ist oft optimal: Wholesale für Bestseller mit stabiler Nachfrage, Arbitrage für saisonale Gelegenheiten.
Gerade Restposten und B-Ware verdienen einen genaueren Blick, denn sie verbinden planbare Einkaufspreise mit hoher Skalierbarkeit.
B-Ware und Restposten als Amazon-Einkaufsquelle

Restposten und B-Ware von Großhändlern bieten Amazon Resellern eine planbare Alternative zu Retourenpaletten. Der Unterschied: Während Retourenpaletten aus gemischter Ware unbekannten Zustands bestehen, liefern seriöse Großhändler definierte Qualitäten mit ordnungsgemäßer Rechnung.
Auch in unserem Sortiment bei Salzmann Restwaren führen wir Marken-Restposten direkt von Herstellern. Das sind keine Amazon-Retouren, sondern Neuware und B-Ware mit ausgewiesener MwSt. Für Reseller bedeutet das: Vorsteuerabzug statt Differenzbesteuerung nach § 25a UStG, was die Liquidität verbessert. Mit über 800 Paletten monatlich und Export in 55+ Länder kennen wir die Anforderungen von Wiederverkäufern.
Typische Kategorien für Amazon FBA aus dem Großhandel sind Elektronik-Zubehör, Haushaltswaren, Spielwaren und Textilien. Lebensmittel und Kosmetik eignen sich wegen Mindesthaltbarkeitsdaten weniger. Der B-Ware-Handel profitiert zusätzlich vom ESG-Trend: Konsumenten suchen bewusst nach „Renewed“ und „Refurbished“. Worauf Sie beim B-Ware-Einkauf achten sollten, haben wir in einem separaten Ratgeber zusammengefasst.
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Doch selbst mit der richtigen Einkaufsquelle scheitern Einsteiger an vermeidbaren Fehlern.
Fehler, die Einsteiger vermeiden sollten
Der häufigste Anfängerfehler beim Amazon Reselling: die offiziellen Amazon-Richtlinien nicht gründlich zu lesen.
- Amazon-Informationen ignorieren. „Typischer Anfängerfehler ist, die von Amazon bereitgestellten Infos nicht zu lesen und zu befolgen“ — so die häufigste Warnung im deutschen Sellerforum. Viele Probleme mit Kontosperren und Listing-Fehlern lassen sich allein durch sorgfältiges Lesen der Seller-Dokumentation vermeiden.
- Kalkulation ohne PPC-Kosten. Die Margenrechnung oben zeigt 31 % vor Werbeausgaben. Wer PPC-Kosten nicht einplant, rechnet sich die Marge schön. Realistisch sind 10 bis 15 % des Umsatzes für Werbung.
- Buy Box nicht verstehen. Ist der Preis zu hoch im Vergleich zu anderen Anbietern, vergibt der Amazon-Algorithmus die Buy Box an die Konkurrenz. Gesamtperformance, Lagerbestand und Versandzeit fließen ebenfalls in die Bewertung ein.
- Kontosperrung riskieren. Häufige Gründe: gefälschte Bewertungen, Markenrechtsverletzungen und eine Order Defect Rate (ODR) über 1 %. Eine Sperrung bedeutet eingefrorenes Guthaben und gesperrte Listings.
- Lagergebühren vergessen. Langzeitlager ab 365 Tagen kostet 170 EUR/m³ monatlich. Wer Ladenhüter nicht rechtzeitig abverkauft oder entfernt, zahlt drauf.
Häufig gestellte Fragen
Was brauche ich, um auf Amazon zu verkaufen?
Lohnt sich Amazon FBA für Kleinunternehmer?
Kann man mit dem Individual Plan FBA nutzen?
Was kostet FBA-Lagerung 2026?
Sind Amazon-Retourenpaletten seriös?
Was ist der Unterschied zwischen Wholesale und Arbitrage?